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Interview mit Sepp Felder

 

Unser Vereinsmitglied Franz-Josef Felder hat an der Briefmarkenausstellung Stufe II in Wettingen, welche vom 12. bis 14. Mai 2017 stattgefunden hat, die Goldmedaille für seine Sammlung „Deutsches Reich: Inflation in der Zeit von 1916-1923“ geholt. Neben „Sepp“ hat auch unser Vereinsmitglied Ernst Pfister mit seiner Sammlung „750 Jahre Bern – Die Jubiläumsmarke“ ebenfalls mit Gold abgeschnitten. Der Vorstand gratuliert den beiden Ausstellern zur wohlverdienten Rangierung herzlich und wünscht Ihnen weiterhin viel Erfolg und Befriedigung, so dass die philatelistische Reise für beide noch lange nicht zu Ende ist und weitergehen möge. Die nationale Briefmarkenausstellung in Lugano 2018 steht sozusagen bereits vor der Türe. Go for it!

 

 

Wer hat dich zur Philatelie gebracht?

 

Ich mache einen Unterschied zwischen Briefmarkensammlern und Philatelisten. Auf meinem Weg vom Sammler zum Philatelisten resp. zur Philatelie waren einerseits verschiedenste Sammler aus unserem Verein wichtig für mich. Sicher war es der damalige Präsident Hans Bürki, der mir die Freude an Abstempelungen vermittelte und mich stets darin unterstützte, auch Ausland zu sammle. Dann schätzte ich auch den früheren Präsidenten Arby Bosch für sein Können, Albumblätter sehr schön zu gestalteten und für seinen Blick für schöne Belege. Dazu zähle ich auch Kurt Schär mit seiner ins Leben gerufenen „Arbeitsgemeinschaft Abarten“. Sehr viel Einfluss auf mich hatte Eric Werner, ebenfalls früherer Präsident, mit seiner unermüdlichen Arbeit an seinen Sammlungen. Er ermunterte mich dazu, endlich meine Sammlung aufzubereiten und auszustellen. Wichtig für mich war auch Hanspeter Böhlen, der mich mit verschiedensten Artikel aus der DBZ bediente und diverse Beurteilungen vornahm. Viel profitiert habe ich letztlich von Koni Bürki, ebenfalls früherer Präsident, und Walter Siegenthaler, die mich beide in der Beschaffung von Belegen unterstützten und mithalfen den Blick auf den Handel zu schärfen.

 

Andererseits sind es die verschiedensten Tauschpartner und Mitglieder des Vereins „INFLA Berlin“, mit denen ich im Austausch stehe und dank denen ich meine Fachkompetenz wesentlich erweitern konnte. Speziell erwähnen möchte ich Herrn Dr. Helmut P. Oechsner. Er ist Verfasser zahlreicher Schriften und Handbücher über die Inflation und war mir in der Bestimmung der Gebühren am Anfang sehr behilflich.  

 

Wie lange bist du bereits aktiver Sammler?

 

Briefmarken sammeln waren schon ein Thema in der Primarschule. Ich denke so ab 10jährig wurden in der Pause Briefmarken getauscht, es wurde „gemärtet und gschpienzlet“. Mit dem Sammeln von Briefmarken begann ich allein aus Freude an der Sache (nachhaltiges Erleben von Geschichte und Geografie) und als Autodidakt. Leider war es mir in der Jugend nie möglich an einem Jugendkurs teilzunehmen. Der Weg vom Briefmarkensammler zum Philatelisten und da zum überzeugten „Postgeschichtler“ war bei mir daher lang.

 

 

Was ist dein schönstes Erlebnis im Zusammenhang mit der Philatelie und dem Brief­marken sammeln?

 

Ich hatte schon sehr viele schöne Erlebnisse durch und mit meiner Sammlertätigkeit. Einerseits freute mich der Erfolg an der Aarphila 13 in Aarau mit der Auszeichnung Vermeil, verbunden mit der Qualifikation für die Stufe II, riesig. Das war meine 1. Verbandsausstellung und ich hatte vorher keine Ahnung, ob überhaupt und wie meine Sammlung ankommt. Sehr positiv empfand ich da auch die aufbauende Kritik der Juroren. Emotional wirkte natürlich auch die Beurteilung in Wettingen. Es war eine unerwartet grossartige Belohnung meiner jahrelangen, zielorientierten Arbeit. 

 

Sehr viel Freude und Anerkennung brachte mir die Beteiligung an der Ausstellung „Vom Wert des Geldes“ vom 13. März bis 31. Mai 2015 im Museum Langenthal mit meiner damals kompletten Sammlung. Unvergesslich bleiben mir einerseits die enge Zusammenarbeit mit dem Museumsleitung, dem Kurator Simon Kuert, dem Grafiker Philipp Abt und andererseits natürlich die zahlreichen Kontakte mit den interessierten Besucherschaft  und die zahlreichen Führungen und die gut besuchten Referate.

 

Das Thema Inflation interessiert viele Menschen. Viele zeigten sich erstaunt, dass es möglich ist mit postalischen Belegen die Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte für diese wirre, verrückte Zeit zu belegen und nachvollziehbar darzustellen. Mein Mitwirken wurde so sicher auch zu einem Beitrag, der Bevölkerung die Philatelie wieder etwas näher zu bringen.

 

 

Wie bist du zum Thema „Inflation im Deutschen Reich“ gekommen?

 

Nach meinem Grundstudium trat ich in Darmstadt BRD meine 1. Anstellung als Architekt an. Dank der guten Aufnahme am Arbeitsplatz und der Freundlichkeit der Menschen vor Ort fühlte ich mich wohl in der Fremde. Als Briefmarkensammler fand ich rasch Gleichgesinnte und es entstanden langjährige Freundschaften und Tauschpartnerschaften.

 

Mein Interesse an der vielfältigen und hochinteressanten Geschichte meines damaligen Gastlandes begann zu wachsen. Bald entstand gedanklich die Idee, diese höchst abwechslungsreiche Geschichte an Hand postalischer Belege darzustellen und zu dokumentieren. Ich wollte speziell die Hintergründe der beiden Weltkriege kennen lernen. Die „grosse Inflation“ ist in der deutschen Geschichte ein besonders einschneidender und tragischer Abschnitt, der immer faszinierender wird, je weiter man sich mit dem Thema beschäftigt.

 

 

 

Was ist heute deine Motivation Belege zu sammeln?

 

Für mich sind Briefe und Postkarten Zeugen der Zeit. Briefe reden nicht von allein, sie müssen zum Reden gebracht werden. Jeder Beleg hat eine eigene Geschichte. Es ist nun am kundigen Sammler diese Geschichte zu erkennen und sie zu erzählen. So lässt sich ein abgeschlossenes Thema oder ein Ereignis nachvollziehbar dokumentieren.

 

 

 

Über welche Zeitdauer hast du dein Material für deine Sammlung zusammenge­tragen?
Die ersten Belege kamen bereits nach der Rückkehr aus Deutschland in meine Hände. Ich sammelte damals noch sehr breit und war wenig auf die Inflation fokussiert. An der Vereins-Ausstellung von 1996 in der Mühle Langenthal stellte ich erstmals meine Infla-Sammlung, damals aus 40 Blättern bestehend, aus. Aus der Periode 22 (1.11. – 04.11.1923) konnte ich damals noch keinen Beleg zeigen. Der Ausbau erfolgte danach laufend bis heute und ist sicher noch nicht abgeschlossen.

 

 

 

Aus welchen Quellen beziehst du dein Material?

 

Zuerst erwarb ich einige Rest-Sammlungen und Posten an Auktionen hier in der Schweiz. Das führte zu einem grossen Fundus. Sicher stammen heute weniger als 40 % aller Ausstellungs-Belege aus diesem Stock. Dann kam der gezielte Erwerb von Belegen an Börsen im In- und Ausland. Sehr ertragreich war die Grossbörse in Sindelfingen, die ich bereits zweimal besuchte. In Sindelfingen allein konnte ich sicher mehr als 10 % meiner Ausstellungs-Stücke erwerben. Einen schönen Teil konnte ich über die Internet-Plattform Delcampe und über die verschiedensten Internet-Shops erwerben. Zusammen sind das heute sicher mehr als 30 % meiner Ausstellungs-belege. Die wichtigsten Belege konnte ich über zahlreiche Auktionen in Deutschland aber auch in der Schweiz erwerben. Sehr wichtig ist heute die Plattform Philasearch, über die sich alle aktuellen Angebote gezielt absuchen lassen. 

 

Nicht zu unterschätzen ist auch der Tausch und Schenkungen. Das wurde Dank meinem sehr breiten Netzwerk möglich. Sehr schöne Belege habe ich von einem Rechtsanwalt in Hamburg, einem ausgewiesenen Spezialisten über den Grenzverkehr, erhalten.

 

 

 

Wie viel Zeit verbringst du mit der Philatelie pro Woche?

 

Das ist unterschiedlich. Während der Erwerbstätigkeit war die Philatelie reiner Ausgleich. Die wenig Zeit nutzte ich für konzeptionelle Überlegungen und für den zielorientierten Erwerbe. Seit der Pensionierung ist es viel mehr geworden. Ich fand die notwendige Zeit und Musse für die Verfeinerung des Konzeptes und begann mit dem Ausbau, der Selektion und dem stetigen Suchen nach interessanten, nicht alltäglichen Belegen. Weil mich das Ganze immer mehr faszinierte, kamen auch die Dokumentationen über interessante Belege dazu. Einer meiner Belege wurde bereits in der Juni-Ausgabe 2017 in der Fachschrift „Infla-Berichte“ publiziert. Ein weiterer wird demnächst folgen.

Die Beschaffung von neuen Belegen über die zahlreichen Plattformen, Shops und Auktionen ist zeitaufwändig. Heute bin ich manchmal täglich über 8 Std. mit dem Thema beschäftigt. Pro Woche gibt das gut und gern so 20 Stunden. Es macht aber auch nichts, wenn ein paar Tage gar nichts geht.

 

 

Welche Bedeutung hat für dich heute das Internet beim sammeln? Für welche Zwecke nutzt du das Internet?

 

Die Beschaffung erfolgt heute weitgehend über das Internet. Von Delcampe erhalte ich täglich eine Meldung über alle neu eingestellten Belege aus der mich interessierenden Zeit. Heute kann ich auch Angebote über das Internet bei fast allen Auktionen machen.

 

Sehr wichtig für mich ist auch Wikipedia. Viele Destinationen, vor allen im früheren Schlesien oder Ost-Preussen, lassen sich nur mit dieser Hilfe lokalisieren. Ohne Internet käme ich kaum mehr weiter.

 

 

 

Welche Ziele hast du noch mit deiner Sammlung „Deutsches Reich: Inflation von 1916 bis 1923“?

 

Ich werde meine Sammlung noch weiter ausbauen und an der NABA Lugano 2018 auf Stufe I ausstellen. In den letzten Wochen gelangen mir interessante Erwerbe, so dass ich neu 8 Rahmen, also 96 Blatt ausstelle. Das neue Konzept steht. Ich habe im Moment das Luxusproblem, dass ich zu viele schöne Belege habe.

 

Sehr freuen würde mich eine gute Beurteilung verbunden mit der Qualifikation international ausstellen zu dürfen. Ich möchte dann die Sammlung einmal in Deutschland ausstellen. Einige meiner Infla-Freunde warten darauf.  

 

Gegenwärtig mache ich mir ernsthafte Gedanken, ein weiteres Sammelgebiet anzugehen und mit ihm wiederum auf Stufe III mit ausstellen zu beginnen.