Perfin Schweiz

„Perfin Schweiz“ von Edgar Wyttenbach

Während auch Nicht-Briefmarkensammler schon mal von Pro Juventute Briefmarken gehört haben, ist der Begriff „Perfin-Briefmarken“ sogar vielen Sammlern nicht geläufig. Es handelt sich um ein Nebengebiet der Philatelie.

Das Wort Perfin ist ein Kunstwort aus dem englischen und bedeutet ausgeschrieben „perforated initials“, auf deutsch perforierte (gelochte) Initialen (Buchstaben).

Die Erfindung entstand um 1865 und stammt aus England, wobei sich die Perfins im Laufe der nächsten 80 Jahre weltweit auf etwa 160 Länder ausbreiteten, so auch auf die Schweiz.

Perfin-Briefmarken sind normale Marken, welche von Firmen gelocht wurden, um damit den Diebstahl und die unbefugte Verwendung der firmeneigenen Marken zu unterbinden.

In der Schweiz erlaubte die Post das Lochen der Briefmarken mit Verfügung vom 22.4.1876, jedoch sind die ersten Marken bereits früher gelocht worden. Die älteste bekannte Lochung einer Schweizer Briefmarke stammt aus dem Jahre 1874.

Am Anfang wurden vorwiegend Buchstaben gelocht, im Laufe der Zeit wurden aber immer leistungsfähigere Lochmaschinen entwickelt, die es erlaubten, auch Zahlen oder Symbole zu stanzen.

Beispiele

Perforierte Initialen

Marken mit perforierten Initiale
Marken mit perforierten Initiale

Perforierte Zahlen oder Symbole

Beispiele von Marken mit perforierten Zahlen oder Symbolen
Beispiele von Marken mit perforierten Zahlen oder Symbolen
Beispiele von Marken mit perforierten Zahlen oder Symbolen

Perforierte Briefmarken in der Schweiz

Schon die weltweite Verbreitung dieser Erfindung zeigt, dass es einem echten Bedürfnis entsprach, die Briefmarken vor Unbefugten zu schützen. Auch in der Schweiz wurden rege Marken perforiert: Bis heute sind über 800 verschiedene Lochungen in Schweizer Briefmarken bekannt!

Die Verwendung von perforierten Briefmarken lässt sich bis in die 1970er Jahre verfolgen, also rund 100 Jahre lang, wobei ab ca 1950 die Anzahl laufend zurückging: Die Erfindung von Frankiermaschinen verringerte den Bedarf an Briefmarkenvorräten in den Firmen, so dass das Diebstahl-Problem nicht mehr vorhanden war.

Das Lochen von Briefmarken wäre auch heute noch erlaubt, die Postverfügung aus dem Jahre 1876 wurde nie ausser Kraft gesetzt!

Als ich mit dem Sammeln von Perfin-Briefmarken begann, erwarb ich mehr oder weniger ziellos alles, bis ich feststellte, dass von einigen Lochungen massenweise Marken existieren (z.B. Maggi, Kempthal oder Musik Hug, Zürich), von anderen jedoch nur wenige oder es ist überhaupt erst 1 einziges Exemplar bekannt. 

Beispiele

Maggi, Kempthal

Musik Hug, Zürich

Unbekannte Lochung (nur wenige Exemplare bekannt)

Raritäten

Trotzdem werden auch für seltene Stücke keine Phantasiepreise bezahlt. Zu gross ist die Gefahr, dass bei einem Überborden der Preise sofort Fälscher in Aktion treten, wie dies bei den gelochten Verwaltungsmarken bereits der Fall ist.

Ausserdem werden nach wie vor in Archiven perforierte Briefmarken aufgestöbert und es besteht die Möglichkeit, dass heutige Raritäten morgen eben keine mehr sind.

Meine Begeisterung

Meine Begeisterung für das Sammelgiebiet „Perfin“ ist im Laufe der Zeit weiter gewachsen, denn:

  • Vieles ist noch unentdeckt
  • Auch über bekannte Perfin werden noch heute laufend neue Erkenntnisse gewonnen
  • Perfins strapazieren das Portemonnaie nicht übermässig
  • Perfin-Sammler können auch mit kleinem Budget zu echten Raritäten kommen

Mein persönliches Spitzenstück

Vom Perfin Nr. S 41 waren bisher lediglich einzelne Marke bekannt, daher war auch die Verwenderfirma unbekannt, es fehlte ein Geschäftscouvert mit Absender.

In einem für wenige Franken angekauften Posten Perfin-Briefe befand sich dann tatsächlich ein Couvert und ich bin heute stolzer Besitzer des einzigen bekannten Briefes der Firma „S. Heim Sons, Zürich“ mit einer perforierten Marke!

Vorderseite
Rückseite mit Absenderangaben

Ich wünsche allen Sammlerinnen und Sammlern viel Glück beim Aufstöbern von neuen Raritäten zu günstigen Preisen!

Edgar Wyttenbach, Thörigen Januar 2011

Quellen

  • Beitrag von Karl Dostal, Wien in der SBZ vom Februar 1997
  • Perfin-Katalog von Martin Baer